Frühstartrente · Kaufkraft-Check
Was bleibt 2085 wirklich übrig?
Der Staat stellt Kindern rund 53.000 € in Aussicht. Dieses Geld gibt es allerdings erst in 59 Jahren – und bis dahin kann man sich davon viel weniger kaufen. Probier hier aus, wie viel wirklich übrig bleibt.
Erst mal wichtig: Es gibt zwei Zahlen
Auf dem Konto
Die Zahl, die 2085 im Kontoauszug steht.
In heutigem Geld
Was man sich davon kaufen kann – zu heutigen Preisen.
Beide Zahlen beschreiben dasselbe Geld. Nur die zweite sagt dir, was du dafür bekommst – und nur die erste steht in den Schlagzeilen.
Stell die beiden Regler ein
Wie stark steigen die Preise pro Jahr?Das Fachwort dafür ist „Inflation"
2,5 %
Ziel der Europäischen Zentralbank: 2 % Deutschland 2021–2025: rund 4 %
Wie stark wächst Bitcoin pro Jahr?Frei gewählt – niemand weiß das im Voraus
10,0 %
Aktienmarkt langfristig: 7 % Frühstartrente rechnet mit 7 %
Woran kann man sich orientieren?
Die Schätzungen gehen weit auseinander. Analysten von Morgan Stanley kommen je nach Szenario auf 4 bis 10 % pro Jahr, der Vermögensverwalter Bitwise auf 28 %. Rückblickend waren es über zehn Jahre rund 58 % – allerdings fiel bisher jeder Zyklus schwächer aus als der davor.

Für 59 Jahre zählt der Schnitt über die ganze Strecke, und der liegt zwangsläufig tiefer: Selbst ein sehr optimistischer Verlauf – 25 % pro Jahr über zwei Jahrzehnte, danach 3 % – ergibt im Mittel nur rund 9 %. Deshalb endet der Regler bei 15 %.
Bei dieser Einstellung kostet ein Brötchen für heute 0,60 € im Jahr 2085 rund 2,58 €. Aus 1 € von heute wird damit ein Rest von 23 Cent.
Was mit 65 Jahren da ist
Die Balken zeigen dasselbe noch einmal: Ihre Länge ist der Betrag auf dem Konto, der farbige Teil davon ist das, was übrig bleibt.
Bekommt man das auf einen Schlag?
Nein. Nach dem Gesetzentwurf sind höchstens 30 % als Einmalzahlung möglich. Der Rest wird ab 65 als Rente ausgezahlt – entweder lebenslang oder über einen Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Genau diese 20 Jahre liegen der Zeile „Als monatliche Rente" zugrunde.
Der direkte Vergleich
Frühstartrente
Bitcoin
Auf dem Konto 2085
In heutigem Geld
Nur die untere Zeile sagt etwas aus. Die obere nennt Zahlen, die 2085 im Kontoauszug stehen – was man sich dafür kaufen kann, steht darunter.
Wie das Geld über die Jahre wächst
Der Abstand zwischen grauer und oranger Linie ist der Teil, den die Preissteigerung auffrisst.
Tipp: Auf die Beschriftung tippen, um eine Linie aus- oder einzublenden.
Alles wird teurer um
+2,5 %
pro Jahr
Bitcoin im Vergleich
4,4×
so viel wie die Frühstartrente
📖 Was das bedeutet

Das Ersparte wächst – aber es wächst in einem Geld, das gleichzeitig weniger wert wird. Genau deshalb reicht Sparen allein nicht mehr: Die 7 %, mit denen der Staat rechnet, sind kein Gewinn, sondern zum großen Teil bloß ein Ausgleich für steigende Preise.

Die Bitcoin-Zahl ist frei eingestellt und keine Vorhersage. Der Regler endet bei 15 %, und das mit Absicht: Nimmt man Bitcoins bisherige Entwicklung von rund 58 % pro Jahr und rechnet damit 59 Jahre weiter, werden aus 1.440 € Einzahlung rechnerisch 135 Billionen Euro – mehr, als die gesamte Weltwirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. So eine Zahl beweist nichts. Sie zeigt nur, dass man zu weit in die Zukunft gerechnet hat.

Nach unten gilt dasselbe: Stell den Regler unter 7 %, und Bitcoin liegt hinter der Frühstartrente. Bitcoin hat mehrere Male über 70 % seines Werts verloren und kann das jederzeit wieder tun. Wer hier eine Garantie herausliest, liest etwas hinein, das nicht da steht.

Gerechnet wird für ein Kind, das 2020 geboren wurde: Einzahlung vom 6. bis zum 18. Lebensjahr (144 Monate à 10 € = 1.440 €), Auszahlung ab 65 im Jahr 2085 – also nach rund 59 Jahren. Die vier Beträge auf dem Konto stammen aus der Modellrechnung des Bundesfinanzministeriums (7 % pro Jahr).

Zur Zeile „Als monatliche Rente": Sie verteilt das Ersparte auf 20 Jahre, weil ein Auszahlplan nach dem Entwurf mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen muss. Zwei Dinge sind dabei nicht eingerechnet und wirken gegenläufig: Das Restkapital bleibt während der Auszahlung investiert und wirft weiter Rendite ab (das erhöht den Betrag um grob ein Fünftel bis ein Drittel), gleichzeitig ist die Auszahlung voll einkommensteuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG). Beides hebt sich näherungsweise auf, die angezeigte Zahl liegt also ungefähr in der Größenordnung des Nettobetrags – exakt ist sie nicht.

Der Bitcoin-Vergleich nimmt denselben Betrag über denselben Zeitraum an; die staatlichen 10 € lassen sich nicht in Bitcoin umleiten – es ist ein Gedankenspiel über die gleiche Summe. Stand des Entwurfs: 21. Juli 2026, noch in der Ressortabstimmung. Modellrechnung, keine Anlageberatung.
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Block
Moscow Time i
1 € in Sats
Der Begriff entstand durch ein Missverständnis: Im März 2021 nahm Twitter-CEO Jack Dorsey an einer Anhörung des US-Kongresses teil. Im Hintergrund stand eine Blockclock Mini, die damals 1952 anzeigte – also 1952 Satoshis pro US-Dollar. Der Cybersicherheitsforscher Chris Vickery hielt die Zahl für eine Uhrzeit und vermutete, Dorsey befinde sich in der Moskauer Zeitzone. Die Bitcoin-Community machte daraus ein Meme – und seitdem heißt der Satoshi-Preis in Dollar „Moscow Time“.
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