Frühstartrente: 53.000 Euro für dein Kind und was davon 2085 wirklich übrig bleibt

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Das Wichtigste in Kürze
  • Der Staat will jedem Kind ab dem sechsten Lebensjahr zehn Euro im Monat in ein Altersvorsorgedepot zahlen. Das Finanzministerium rechnet vor, dass daraus bis zur Rente rund 53.000 Euro werden.
  • Diese Zahl gilt für das Jahr 2085. In heutiger Kaufkraft bleiben davon bei 2,5 Prozent Inflation etwa 12.300 Euro, also rund 51 Euro Rente im Monat.
  • Die Frühstartrente ist damit weniger ein Geschenk als ein Reparaturprogramm gegen die Geldentwertung. Im Rechner weiter unten kannst du selbst durchspielen, was übrig bleibt.
Zehn Euro im Monat vom Staat, 59 Jahre Zeit, am Ende 53.000 Euro. Die Zahl macht seit Tagen die Runde und sie ist rechnerisch sogar korrekt. Sie hat nur einen blinden Fleck und der heißt Inflation. Was aus den 53.000 Euro wird, wenn man sie in heutiges Geld umrechnet und was das über unser Geld verrät.

Was geplant ist

Das Bundesfinanzministerium hat den Referentenentwurf für die sogenannte Frühstartrente vorgelegt. Der Entwurf ist auf den 21. Juli 2026 datiert und ging tags darauf in die Abstimmung mit den anderen Ministerien. In Kraft treten soll das Gesetz zum 1. Januar 2027, gefördert wird rückwirkend ab dem 1. Januar 2026. Los geht es mit dem Geburtsjahrgang 2020, also den heutigen Sechsjährigen. Jedes Jahr rückt ein neuer Jahrgang nach.
Die Eckdaten des Entwurfs

Zehn Euro monatlich vom Staat, für jedes Kind vom sechsten bis zum achtzehnten Lebensjahr, das in Deutschland eine Bildungseinrichtung besucht.

Das Geld fließt in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot, das Eltern bei einem Anbieter ihrer Wahl eröffnen.

Eltern dürfen zuzahlen, bis zu 6.840 Euro im Jahr. Pflicht ist das nicht.

Nur zertifizierte Standardprodukte, mit einem Effektivkostendeckel von einem Prozent und ohne Abschlussprovisionen bis zum 18. Geburtstag.

In der Ansparphase steuerfrei. Besteuert wird erst bei der Auszahlung.

Verfügbar frühestens mit 65. Zieht ein Kind dauerhaft ins Ausland, endet die Förderung.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Bisher hängt private Altersvorsorge stark davon ab, ob die Eltern Geld haben und sich auskennen. „Diese Ungleichheit setzt sich dann im Alter fort. Das wollen wir ändern", sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Die Frühstartrente erreicht jedes Kind eines Jahrgangs.

Die Modellrechnung des Ministeriums

Das Finanzministerium hat vier Fälle durchgerechnet, alle mit sieben Prozent Wertsteigerung pro Jahr. Das ist der langfristige Durchschnitt breit gestreuter globaler Aktienanlagen nach Kosten, also eine faire, historisch begründete Annahme.
Eltern zahlen Depot mit 18 Depot mit 65
nichts ca. 2.200 € ca. 53.000 €
10 € im Monat ca. 4.400 € ca. 107.000 €
20 € im Monat ca. 6.600 € ca. 160.000 €
Wer monatlich 50 Euro dazulegt, landet im Entwurf bei rund 320.000 Euro. Die 107.000 Euro aus Fall zwei sind die Zahl, die es in die Schlagzeilen geschafft hat. Sie stimmt.

Der blinde Fleck: Die "Euros" von 2085

Ein Kind, das 2020 geboren wurde, wird im Jahr 2085 fünfundsechzig. Das sind 59 Jahre ab heute. Die Modellrechnung nennt also die Zahl, die 2085 auf dem Konto stehen wird. Was man sich dafür kaufen kann, steht in keiner Tabelle. Und genau das ist die Frage, die jede Altersvorsorge beantworten muss.
Wir schauen uns die zukünftige Kaufkraft bei 2%, 2,5% und 3 % Inflation an:
Auf dem Konto bei 2 % bei 2,5 % bei 3 %
53.000 € 16.500 € 12.300 € 9.300 €
107.000 € 33.300 € 24.900 € 18.700 €
Zwei Prozent ist das Ziel der Europäischen Zentralbank. In den letzten fünf Jahren lag Deutschland deutlich darüber. Selbst wenn die Zentralbank ihr Ziel exakt trifft, kosten die Dinge 2085 gut das Dreifache von heute. Bei 2,5 Prozent das Vierfache, bei drei Prozent fast das Sechsfache. Konkret, bei 2,5 Prozent: Ein Brötchen für 0,60 Euro kostet dann 2,58 Euro. Eine Kinokarte für 13 Euro kostet 56 Euro. Eine Miete von 900 Euro kostet 3.860 Euro. Und die 53.000 Euro? Verteilt auf die zwanzig Jahre bis zum 85. Lebensjahr sind das rund 51 Euro im Monat, in heutigem Geld gerechnet. Das ist nicht nichts. Es ist nur nicht die Zahl, die in der Schlagzeile steht. Während die Rechnung der Regierung also stimmt, kann man die öffentliche Darstellung in Frage stellen. Wer in einem entwertenden Geldsystem über 59 Jahre in nomialen Zahlen spricht, nennt eine Zahl, die faktisch falsch ist.

Rechne selbst nach

Wie viel übrig bleibt, hängt an genau zwei Annahmen: wie stark die Preise steigen und wie stark das Ersparte wächst. Beide kannst du hier selbst einstellen. Der Rechner läuft vollständig in deinem Browser, ohne externe Dienste und ohne Cookies.
Frühstartrente · Kaufkraft-Check
Was bleibt 2085 wirklich übrig?
Der Staat stellt Kindern rund 53.000 € in Aussicht. Dieses Geld gibt es allerdings erst in 59 Jahren – und bis dahin kann man sich davon viel weniger kaufen. Probier hier aus, wie viel wirklich übrig bleibt.
Erst mal wichtig: Es gibt zwei Zahlen
Auf dem Konto
Die Zahl, die 2085 im Kontoauszug steht.
In heutigem Geld
Was man sich davon kaufen kann – zu heutigen Preisen.
Beide Zahlen beschreiben dasselbe Geld. Nur die zweite sagt dir, was du dafür bekommst – und nur die erste steht in den Schlagzeilen.
Stell die beiden Regler ein
Wie stark steigen die Preise pro Jahr?Das Fachwort dafür ist „Inflation"
2,5 %
Ziel der Europäischen Zentralbank: 2 % Deutschland 2021–2025: rund 4 %
Wie stark wächst Bitcoin pro Jahr?Frei gewählt – niemand weiß das im Voraus
10,0 %
Aktienmarkt langfristig: 7 % Frühstartrente rechnet mit 7 %
Woran kann man sich orientieren?
Die Schätzungen gehen weit auseinander. Analysten von Morgan Stanley kommen je nach Szenario auf 4 bis 10 % pro Jahr, der Vermögensverwalter Bitwise auf 28 %. Rückblickend waren es über zehn Jahre rund 58 % – allerdings fiel bisher jeder Zyklus schwächer aus als der davor.

Für 59 Jahre zählt der Schnitt über die ganze Strecke, und der liegt zwangsläufig tiefer: Selbst ein sehr optimistischer Verlauf – 25 % pro Jahr über zwei Jahrzehnte, danach 3 % – ergibt im Mittel nur rund 9 %. Deshalb endet der Regler bei 15 %.
Bei dieser Einstellung kostet ein Brötchen für heute 0,60 € im Jahr 2085 rund 2,58 €. Aus 1 € von heute wird damit ein Rest von 23 Cent.
Was mit 65 Jahren da ist
Die Balken zeigen dasselbe noch einmal: Ihre Länge ist der Betrag auf dem Konto, der farbige Teil davon ist das, was übrig bleibt.
Bekommt man das auf einen Schlag?
Nein. Nach dem Gesetzentwurf sind höchstens 30 % als Einmalzahlung möglich. Der Rest wird ab 65 als Rente ausgezahlt – entweder lebenslang oder über einen Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Genau diese 20 Jahre liegen der Zeile „Als monatliche Rente" zugrunde.
Der direkte Vergleich
Frühstartrente
Bitcoin
Auf dem Konto 2085
In heutigem Geld
Nur die untere Zeile sagt etwas aus. Die obere nennt Zahlen, die 2085 im Kontoauszug stehen – was man sich dafür kaufen kann, steht darunter.
Wie das Geld über die Jahre wächst
Der Abstand zwischen grauer und oranger Linie ist der Teil, den die Preissteigerung auffrisst.
Tipp: Auf die Beschriftung tippen, um eine Linie aus- oder einzublenden.
Alles wird teurer um
+2,5 %
pro Jahr
Bitcoin im Vergleich
4,4×
so viel wie die Frühstartrente
📖 Was das bedeutet

Das Ersparte wächst – aber es wächst in einem Geld, das gleichzeitig weniger wert wird. Genau deshalb reicht Sparen allein nicht mehr: Die 7 %, mit denen der Staat rechnet, sind kein Gewinn, sondern zum großen Teil bloß ein Ausgleich für steigende Preise.

Die Bitcoin-Zahl ist frei eingestellt und keine Vorhersage. Der Regler endet bei 15 %, und das mit Absicht: Nimmt man Bitcoins bisherige Entwicklung von rund 58 % pro Jahr und rechnet damit 59 Jahre weiter, werden aus 1.440 € Einzahlung rechnerisch 135 Billionen Euro – mehr, als die gesamte Weltwirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. So eine Zahl beweist nichts. Sie zeigt nur, dass man zu weit in die Zukunft gerechnet hat.

Nach unten gilt dasselbe: Stell den Regler unter 7 %, und Bitcoin liegt hinter der Frühstartrente. Bitcoin hat mehrere Male über 70 % seines Werts verloren und kann das jederzeit wieder tun. Wer hier eine Garantie herausliest, liest etwas hinein, das nicht da steht.

Gerechnet wird für ein Kind, das 2020 geboren wurde: Einzahlung vom 6. bis zum 18. Lebensjahr (144 Monate à 10 € = 1.440 €), Auszahlung ab 65 im Jahr 2085 – also nach rund 59 Jahren. Die vier Beträge auf dem Konto stammen aus der Modellrechnung des Bundesfinanzministeriums (7 % pro Jahr).

Zur Zeile „Als monatliche Rente": Sie verteilt das Ersparte auf 20 Jahre, weil ein Auszahlplan nach dem Entwurf mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen muss. Zwei Dinge sind dabei nicht eingerechnet und wirken gegenläufig: Das Restkapital bleibt während der Auszahlung investiert und wirft weiter Rendite ab (das erhöht den Betrag um grob ein Fünftel bis ein Drittel), gleichzeitig ist die Auszahlung voll einkommensteuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG). Beides hebt sich näherungsweise auf, die angezeigte Zahl liegt also ungefähr in der Größenordnung des Nettobetrags – exakt ist sie nicht.

Der Bitcoin-Vergleich nimmt denselben Betrag über denselben Zeitraum an; die staatlichen 10 € lassen sich nicht in Bitcoin umleiten – es ist ein Gedankenspiel über die gleiche Summe. Stand des Entwurfs: 21. Juli 2026, noch in der Ressortabstimmung. Modellrechnung, keine Anlageberatung.

Das Kleingedruckte, das kaum jemand erwähnt

Zwei Punkte im Entwurf gehen in der Berichterstattung fast immer unter und beide sind praktisch wichtig.
🔍 Was passiert, wenn die Eltern nichts tun?

Die Verkürzung „das Geld ist nicht verloren" ist nur die halbe Wahrheit. Für Kinder ohne eigenen Depotvertrag legt die Deutsche Bundesbank die Mittel kollektiv an, ausschließlich in global gestreute Aktienanlagen. Dafür richtet der Bund zum 1. Januar 2028 ein Sondervermögen ein.

Diese Mittel lassen sich später quartalsweise in einen eigenen Vertrag holen, aber nur bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres. Nicht abgerufene Beträge fließen zurück in den Bundeshaushalt. Wer für sein Kind nie ein Depot eröffnet, sollte sich diese Frist merken und sie weitergeben.
🔍 Und wie kommt das Geld am Ende heraus?

Nicht auf einen Schlag. Mit 18 wandert das Angesparte in ein Altersvorsorgedepot, jenes neue geförderte Produkt, das ab 2027 die Riester-Rente ablöst. Dann gelten dessen Regeln:

Auszahlung frühestens mit 65, spätestens muss die Auszahlphase vor dem 70. Geburtstag beginnen. Man wählt zwischen einer lebenslangen Rente und einem Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Zu Beginn sind höchstens 30 Prozent als Einmalzahlung entnehmbar, eine vollständige Kapitalauszahlung ist nicht möglich. Und die Auszahlung ist voll einkommensteuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG).
Aus 53.000 Euro wird also kein Scheck über 53.000 Euro. Es wird ein Zahlungsstrom über zwanzig Jahre oder länger, und der wird versteuert.

Was der Entwurf richtig macht

Wir wollen fair bleiben. An diesem Vorschlag ist einiges gut. Der Zeithorizont. Wer mit sechs anfängt, hat 59 Jahre Zinseszins vor sich. Das ist der stärkste Hebel beim Vermögensaufbau, stärker als jede Sparrate. Die Kosten. Ein Prozent Kostendeckel und keine Abschlussprovisionen bis 18 sind für deutsche Vorsorgeprodukte bemerkenswert konsequent. Die Vermittlerverbände laufen genau deshalb Sturm. Die Steuerstundung. Bei einem normalen Depot fallen auf Dividenden und realisierte Kursgewinne Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Hier bleibt in der Ansparphase alles unangetastet, der Zinseszins arbeitet auf den vollen Betrag. Über sechs Jahrzehnte ist das ein sehr großer Unterschied. „Die Grundidee der Frühstartrente ist richtig und wichtig", sagt Christian Röhl, Chefvolkswirt bei Scalable Capital. Gegenwind kommt vom Sozialverband Deutschland: SoVD-Chefin Michaela Engelmeier hält die Idee grundsätzlich für nachvollziehbar, kritisiert aber, dass sie über ein risikobehaftetes kapitalgedecktes Modell laufen soll, und hätte die Kraft lieber in die gesetzliche Rente gesteckt.

Unsere Einschätzung: Die Proportionen stimmen nicht

Bis hierher haben wir beschrieben, was im Entwurf steht. Dieser Abschnitt ist Meinung, und wir kennzeichnen ihn als solche. Die Frühstartrente wird als Antwort auf ein Problem präsentiert, das inzwischen jeder kennt. Dass die gesetzliche Rente für die heute Jungen nicht reichen wird, ist längst kein Expertenwissen mehr. Schaut man aber auf die Größenordnungen, fällt die Antwort erstaunlich klein aus.
⚡ Was die Frühstartrente in einem Jahr kostet, gibt der Bund für die bestehende Rente in etwa vierzehn Stunden aus.

Der Bund überweist der Rentenversicherung 2026 rund 128 Milliarden Euro, fast ein Viertel des gesamten Bundeshaushalts. Die Frühstartrente kostet 198 Millionen Euro im ersten Jahr, bis 2030 steigend auf 411 Millionen. Das sind 0,15 Prozent. Auf jeden Euro Frühstartrente kommen 646 Euro, die ohnehin schon in die Rentenkasse fließen.
Dazu kommt der Zeithorizont. Die Rentenlücke wird in den 2030er und 2040er Jahren akut, wenn die Babyboomer im Ruhestand sind. Die erste Auszahlung aus der Frühstartrente fließt 2085. Die Maßnahme berührt die Krise, für die sie beworben wird, an keiner Stelle. Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen, und beide sind vertretbar. Der wohlwollende: Jeder Anfang ist besser als keiner. Ein Kind, das mit achtzehn ein eigenes Depot besitzt, hat ein anderes Verhältnis zum Kapitalmarkt als eines ohne. Der Betrag ist klein, die Gewöhnung ist es nicht. Der skeptische: Eine Maßnahme, die 0,15 Prozent des Rentenbudgets kostet und in sechzig Jahren wirkt, löst das Problem nicht. Sie beruhigt. Und Beruhigung ist politisch billiger als eine Reform, die wehtut. Wir neigen zur zweiten Lesart. Nicht, weil die Idee schlecht wäre, sondern weil das Verhältnis nicht stimmt: großes Symbol, kleine Substanz. Wer verstanden hat, dass aus 53.000 Euro real 12.300 werden, versteht auch, warum eine Zusatzrente von 51 Euro im Monat keine Rentenreform ist. Sie ist eine nette Geste.

Und wenn dieselben zehn Euro in Bitcoin gingen?

Diese Frage stellt sich beim Thema zwangsläufig, also beantworten wir sie. Aber ehrlich. Vorab: Es ist ein Gedankenspiel. Die staatlichen zehn Euro lassen sich nicht in Bitcoin umleiten, gefördert werden nur zertifizierte Standarddepots. Vergleichbar ist nur, was Eltern mit ihren eigenen zehn Euro im Monat machen. Unser Rechner setzt Bitcoin voreingestellt mit zehn Prozent Wachstum pro Jahr an, bei 2,5 Prozent Inflation:
Frühstartrente (7 %) Bitcoin (10 %)
Auf dem Konto 2085 53.000 € 236.500 €
In heutigem Geld 12.300 € 55.100 €
Nur die untere Zeile sagt etwas aus. Verglichen werden müssen also 12.300 gegen 55.100 Euro, das ist gut das Viereinhalbfache. Und noch etwas fällt auf, wenn man die Tabelle diagonal liest: Die 53.000 Euro, mit denen für die Frühstartrente geworben wird, entsprechen fast genau dem, was der Bitcoin-Weg in heutigem Geld übrig ließe. Dieselbe Zahl, einmal nur auf dem Papier, einmal als tatsächliche Kaufkraft.
Und jetzt kommt der wichtige Teil. Hinzu kommt: Alle seriösen Schätzungen sind Zehn-Jahres-Sichten. Analysten von Morgan Stanley kommen je nach Szenario auf vier bis zehn Prozent pro Jahr, der Vermögensverwalter Bitwise auf 28. Über 59 Jahre zählt der Durchschnitt der ganzen Strecke, und der fällt zwangsläufig tiefer aus. Selbst ein sehr optimistischer Verlauf, 25 Prozent pro Jahr über zwei Jahrzehnte und danach nur noch drei Prozent, ergibt im Mittel rund neun Prozent. Und der Regler geht auch nach unten. Stellt man ihn unter sieben Prozent, liegt Bitcoin hinter der Frühstartrente. Bei fünf Prozent bleiben statt 12.300 nur 4.500 Euro, ein Minus von 64 Prozent gegenüber dem staatlichen Depot.

Worum es eigentlich geht

Warum braucht ein Kind überhaupt sieben Prozent Rendite pro Jahr, damit sein Geld etwas wert bleibt? Weil die schleichende Inflation den Wert sonst auffrisst. Der Jahrgang, um den es hier geht, ist 2020 geboren. Seitdem sind die Preise in Deutschland um rund 22 Prozent gestiegen. Ein Euro von 2020 kauft heute noch für etwa 82 Cent ein. Diese Kinder haben, bevor sie lesen konnten, schon fast ein Fünftel der Kaufkraft ihres Taschengelds verloren. Die Frühstartrente ist damit im Kern kein Geschenk. Sie ist ein Reparaturprogramm. Sie versucht, mit Kapitalmarktrendite auszugleichen, woran unser Geldsystem krankt. Genau deshalb funktioniert Sparen auf dem Sparbuch nicht mehr.
Bitcoin beantwortet dieselbe Frage anders: nicht mit mehr Rendite gegen die Geldentwertung, sondern mit einem Geld, dessen Menge nicht vermehrbar ist. 21 Millionen, festgeschrieben, nicht politisch verhandelbar. Das ist kein besseres Produkt und keine Empfehlung. Es ist eine alternative Antwort auf dieselbe Ausgangslage.
Zwei Dinge bleiben bei der Frühstartrente offen. 59 Jahre sind eine sehr lange Zeit für Regeln: Steuersätze, Auszahlungsbedingungen, Fristen, nichts davon ist über sechs Jahrzehnte in Stein gemeißelt.

Wer heute für ein sechsjähriges Kind plant, plant unter Regeln, die dieses Kind als Rentner mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr vorfindet. Und das Geld ist bis 65 gebunden, danach in seiner Auszahlungsform vorgeschrieben. Das ist politisch gewollt und nachvollziehbar, aber es ist eben auch ein Verzicht auf Verfügungsgewalt über das eigene Vermögen für ein ganzes Leben. Beides funktioniert nur über sehr lange Zeiträume und beides setzt voraus, dass man versteht, wogegen man eigentlich anspart. Eine schleichende Geldentwertung, ein stiller Diebstahl des Geldes, wofür man jeden Tag zur Arbeit fährt.
Die Frage sollte also nicht heißen, für welches Produkt man sich entscheidet, sondern was das Geld in der Tasche in zehn, zwanzig, sechzig Jahren noch wert ist.

Dieser Beitrag ist Bildungsinhalt und keine Anlage- oder Steuerberatung. Alle Kaufkraftberechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Inflationsannahmen. Der Referentenentwurf befindet sich in der Ressortabstimmung, Änderungen im weiteren Verfahren sind möglich. Stand: 26. Juli 2026.

Quellen: Referentenentwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente, BMF, 21.07.2026; Statistisches Bundesamt (Verbraucherpreisindex 2021 bis 2025); Bundeshaushalt 2026, Einzelplan BMAS (Leistungen an die Rentenversicherung: 127,84 Mrd. Euro); Zeitungsbericht von Dominik Bath und Jan Dörner.

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