- Der Staat will jedem Kind ab dem sechsten Lebensjahr zehn Euro im Monat in ein Altersvorsorgedepot zahlen. Das Finanzministerium rechnet vor, dass daraus bis zur Rente rund 53.000 Euro werden.
- Diese Zahl gilt für das Jahr 2085. In heutiger Kaufkraft bleiben davon bei 2,5 Prozent Inflation etwa 12.300 Euro, also rund 51 Euro Rente im Monat.
- Die Frühstartrente ist damit weniger ein Geschenk als ein Reparaturprogramm gegen die Geldentwertung. Im Rechner weiter unten kannst du selbst durchspielen, was übrig bleibt.
Was geplant ist
Das Bundesfinanzministerium hat den Referentenentwurf für die sogenannte Frühstartrente vorgelegt. Der Entwurf ist auf den 21. Juli 2026 datiert und ging tags darauf in die Abstimmung mit den anderen Ministerien. In Kraft treten soll das Gesetz zum 1. Januar 2027, gefördert wird rückwirkend ab dem 1. Januar 2026. Los geht es mit dem Geburtsjahrgang 2020, also den heutigen Sechsjährigen. Jedes Jahr rückt ein neuer Jahrgang nach.Zehn Euro monatlich vom Staat, für jedes Kind vom sechsten bis zum achtzehnten Lebensjahr, das in Deutschland eine Bildungseinrichtung besucht.
Das Geld fließt in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot, das Eltern bei einem Anbieter ihrer Wahl eröffnen.
Eltern dürfen zuzahlen, bis zu 6.840 Euro im Jahr. Pflicht ist das nicht.
Nur zertifizierte Standardprodukte, mit einem Effektivkostendeckel von einem Prozent und ohne Abschlussprovisionen bis zum 18. Geburtstag.
In der Ansparphase steuerfrei. Besteuert wird erst bei der Auszahlung.
Verfügbar frühestens mit 65. Zieht ein Kind dauerhaft ins Ausland, endet die Förderung.
Die Modellrechnung des Ministeriums
Das Finanzministerium hat vier Fälle durchgerechnet, alle mit sieben Prozent Wertsteigerung pro Jahr. Das ist der langfristige Durchschnitt breit gestreuter globaler Aktienanlagen nach Kosten, also eine faire, historisch begründete Annahme.| Eltern zahlen | Depot mit 18 | Depot mit 65 |
|---|---|---|
| nichts | ca. 2.200 € | ca. 53.000 € |
| 10 € im Monat | ca. 4.400 € | ca. 107.000 € |
| 20 € im Monat | ca. 6.600 € | ca. 160.000 € |
Der blinde Fleck: Die "Euros" von 2085
Ein Kind, das 2020 geboren wurde, wird im Jahr 2085 fünfundsechzig. Das sind 59 Jahre ab heute. Die Modellrechnung nennt also die Zahl, die 2085 auf dem Konto stehen wird. Was man sich dafür kaufen kann, steht in keiner Tabelle. Und genau das ist die Frage, die jede Altersvorsorge beantworten muss.Wir schauen uns die zukünftige Kaufkraft bei 2%, 2,5% und 3 % Inflation an:
| Auf dem Konto | bei 2 % | bei 2,5 % | bei 3 % |
|---|---|---|---|
| 53.000 € | 16.500 € | 12.300 € | 9.300 € |
| 107.000 € | 33.300 € | 24.900 € | 18.700 € |
Rechne selbst nach
Wie viel übrig bleibt, hängt an genau zwei Annahmen: wie stark die Preise steigen und wie stark das Ersparte wächst. Beide kannst du hier selbst einstellen. Der Rechner läuft vollständig in deinem Browser, ohne externe Dienste und ohne Cookies.Für 59 Jahre zählt der Schnitt über die ganze Strecke, und der liegt zwangsläufig tiefer: Selbst ein sehr optimistischer Verlauf – 25 % pro Jahr über zwei Jahrzehnte, danach 3 % – ergibt im Mittel nur rund 9 %. Deshalb endet der Regler bei 15 %.
Tipp: Auf die Beschriftung tippen, um eine Linie aus- oder einzublenden.
Das Ersparte wächst – aber es wächst in einem Geld, das gleichzeitig weniger wert wird. Genau deshalb reicht Sparen allein nicht mehr: Die 7 %, mit denen der Staat rechnet, sind kein Gewinn, sondern zum großen Teil bloß ein Ausgleich für steigende Preise.
Die Bitcoin-Zahl ist frei eingestellt und keine Vorhersage. Der Regler endet bei 15 %, und das mit Absicht: Nimmt man Bitcoins bisherige Entwicklung von rund 58 % pro Jahr und rechnet damit 59 Jahre weiter, werden aus 1.440 € Einzahlung rechnerisch 135 Billionen Euro – mehr, als die gesamte Weltwirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. So eine Zahl beweist nichts. Sie zeigt nur, dass man zu weit in die Zukunft gerechnet hat.
Nach unten gilt dasselbe: Stell den Regler unter 7 %, und Bitcoin liegt hinter der Frühstartrente. Bitcoin hat mehrere Male über 70 % seines Werts verloren und kann das jederzeit wieder tun. Wer hier eine Garantie herausliest, liest etwas hinein, das nicht da steht.
Zur Zeile „Als monatliche Rente": Sie verteilt das Ersparte auf 20 Jahre, weil ein Auszahlplan nach dem Entwurf mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen muss. Zwei Dinge sind dabei nicht eingerechnet und wirken gegenläufig: Das Restkapital bleibt während der Auszahlung investiert und wirft weiter Rendite ab (das erhöht den Betrag um grob ein Fünftel bis ein Drittel), gleichzeitig ist die Auszahlung voll einkommensteuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG). Beides hebt sich näherungsweise auf, die angezeigte Zahl liegt also ungefähr in der Größenordnung des Nettobetrags – exakt ist sie nicht.
Der Bitcoin-Vergleich nimmt denselben Betrag über denselben Zeitraum an; die staatlichen 10 € lassen sich nicht in Bitcoin umleiten – es ist ein Gedankenspiel über die gleiche Summe. Stand des Entwurfs: 21. Juli 2026, noch in der Ressortabstimmung. Modellrechnung, keine Anlageberatung.
Das Kleingedruckte, das kaum jemand erwähnt
Zwei Punkte im Entwurf gehen in der Berichterstattung fast immer unter und beide sind praktisch wichtig.Die Verkürzung „das Geld ist nicht verloren" ist nur die halbe Wahrheit. Für Kinder ohne eigenen Depotvertrag legt die Deutsche Bundesbank die Mittel kollektiv an, ausschließlich in global gestreute Aktienanlagen. Dafür richtet der Bund zum 1. Januar 2028 ein Sondervermögen ein.
Diese Mittel lassen sich später quartalsweise in einen eigenen Vertrag holen, aber nur bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres. Nicht abgerufene Beträge fließen zurück in den Bundeshaushalt. Wer für sein Kind nie ein Depot eröffnet, sollte sich diese Frist merken und sie weitergeben.
Nicht auf einen Schlag. Mit 18 wandert das Angesparte in ein Altersvorsorgedepot, jenes neue geförderte Produkt, das ab 2027 die Riester-Rente ablöst. Dann gelten dessen Regeln:
Auszahlung frühestens mit 65, spätestens muss die Auszahlphase vor dem 70. Geburtstag beginnen. Man wählt zwischen einer lebenslangen Rente und einem Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Zu Beginn sind höchstens 30 Prozent als Einmalzahlung entnehmbar, eine vollständige Kapitalauszahlung ist nicht möglich. Und die Auszahlung ist voll einkommensteuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG).
Was der Entwurf richtig macht
Wir wollen fair bleiben. An diesem Vorschlag ist einiges gut. Der Zeithorizont. Wer mit sechs anfängt, hat 59 Jahre Zinseszins vor sich. Das ist der stärkste Hebel beim Vermögensaufbau, stärker als jede Sparrate. Die Kosten. Ein Prozent Kostendeckel und keine Abschlussprovisionen bis 18 sind für deutsche Vorsorgeprodukte bemerkenswert konsequent. Die Vermittlerverbände laufen genau deshalb Sturm. Die Steuerstundung. Bei einem normalen Depot fallen auf Dividenden und realisierte Kursgewinne Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Hier bleibt in der Ansparphase alles unangetastet, der Zinseszins arbeitet auf den vollen Betrag. Über sechs Jahrzehnte ist das ein sehr großer Unterschied. „Die Grundidee der Frühstartrente ist richtig und wichtig", sagt Christian Röhl, Chefvolkswirt bei Scalable Capital. Gegenwind kommt vom Sozialverband Deutschland: SoVD-Chefin Michaela Engelmeier hält die Idee grundsätzlich für nachvollziehbar, kritisiert aber, dass sie über ein risikobehaftetes kapitalgedecktes Modell laufen soll, und hätte die Kraft lieber in die gesetzliche Rente gesteckt.Unsere Einschätzung: Die Proportionen stimmen nicht
Bis hierher haben wir beschrieben, was im Entwurf steht. Dieser Abschnitt ist Meinung, und wir kennzeichnen ihn als solche. Die Frühstartrente wird als Antwort auf ein Problem präsentiert, das inzwischen jeder kennt. Dass die gesetzliche Rente für die heute Jungen nicht reichen wird, ist längst kein Expertenwissen mehr. Schaut man aber auf die Größenordnungen, fällt die Antwort erstaunlich klein aus.Der Bund überweist der Rentenversicherung 2026 rund 128 Milliarden Euro, fast ein Viertel des gesamten Bundeshaushalts. Die Frühstartrente kostet 198 Millionen Euro im ersten Jahr, bis 2030 steigend auf 411 Millionen. Das sind 0,15 Prozent. Auf jeden Euro Frühstartrente kommen 646 Euro, die ohnehin schon in die Rentenkasse fließen.
Und wenn dieselben zehn Euro in Bitcoin gingen?
Diese Frage stellt sich beim Thema zwangsläufig, also beantworten wir sie. Aber ehrlich. Vorab: Es ist ein Gedankenspiel. Die staatlichen zehn Euro lassen sich nicht in Bitcoin umleiten, gefördert werden nur zertifizierte Standarddepots. Vergleichbar ist nur, was Eltern mit ihren eigenen zehn Euro im Monat machen. Unser Rechner setzt Bitcoin voreingestellt mit zehn Prozent Wachstum pro Jahr an, bei 2,5 Prozent Inflation:| Frühstartrente (7 %) | Bitcoin (10 %) | |
|---|---|---|
| Auf dem Konto 2085 | 53.000 € | 236.500 € |
| In heutigem Geld | 12.300 € | 55.100 € |
Und jetzt kommt der wichtige Teil. Hinzu kommt: Alle seriösen Schätzungen sind Zehn-Jahres-Sichten. Analysten von Morgan Stanley kommen je nach Szenario auf vier bis zehn Prozent pro Jahr, der Vermögensverwalter Bitwise auf 28. Über 59 Jahre zählt der Durchschnitt der ganzen Strecke, und der fällt zwangsläufig tiefer aus. Selbst ein sehr optimistischer Verlauf, 25 Prozent pro Jahr über zwei Jahrzehnte und danach nur noch drei Prozent, ergibt im Mittel rund neun Prozent. Und der Regler geht auch nach unten. Stellt man ihn unter sieben Prozent, liegt Bitcoin hinter der Frühstartrente. Bei fünf Prozent bleiben statt 12.300 nur 4.500 Euro, ein Minus von 64 Prozent gegenüber dem staatlichen Depot.
Worum es eigentlich geht
Warum braucht ein Kind überhaupt sieben Prozent Rendite pro Jahr, damit sein Geld etwas wert bleibt? Weil die schleichende Inflation den Wert sonst auffrisst. Der Jahrgang, um den es hier geht, ist 2020 geboren. Seitdem sind die Preise in Deutschland um rund 22 Prozent gestiegen. Ein Euro von 2020 kauft heute noch für etwa 82 Cent ein. Diese Kinder haben, bevor sie lesen konnten, schon fast ein Fünftel der Kaufkraft ihres Taschengelds verloren. Die Frühstartrente ist damit im Kern kein Geschenk. Sie ist ein Reparaturprogramm. Sie versucht, mit Kapitalmarktrendite auszugleichen, woran unser Geldsystem krankt. Genau deshalb funktioniert Sparen auf dem Sparbuch nicht mehr.Bitcoin beantwortet dieselbe Frage anders: nicht mit mehr Rendite gegen die Geldentwertung, sondern mit einem Geld, dessen Menge nicht vermehrbar ist. 21 Millionen, festgeschrieben, nicht politisch verhandelbar. Das ist kein besseres Produkt und keine Empfehlung. Es ist eine alternative Antwort auf dieselbe Ausgangslage.
Zwei Dinge bleiben bei der Frühstartrente offen. 59 Jahre sind eine sehr lange Zeit für Regeln: Steuersätze, Auszahlungsbedingungen, Fristen, nichts davon ist über sechs Jahrzehnte in Stein gemeißelt.
Wer heute für ein sechsjähriges Kind plant, plant unter Regeln, die dieses Kind als Rentner mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr vorfindet. Und das Geld ist bis 65 gebunden, danach in seiner Auszahlungsform vorgeschrieben. Das ist politisch gewollt und nachvollziehbar, aber es ist eben auch ein Verzicht auf Verfügungsgewalt über das eigene Vermögen für ein ganzes Leben. Beides funktioniert nur über sehr lange Zeiträume und beides setzt voraus, dass man versteht, wogegen man eigentlich anspart. Eine schleichende Geldentwertung, ein stiller Diebstahl des Geldes, wofür man jeden Tag zur Arbeit fährt.
Die Frage sollte also nicht heißen, für welches Produkt man sich entscheidet, sondern was das Geld in der Tasche in zehn, zwanzig, sechzig Jahren noch wert ist.
Dieser Beitrag ist Bildungsinhalt und keine Anlage- oder Steuerberatung. Alle Kaufkraftberechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Inflationsannahmen. Der Referentenentwurf befindet sich in der Ressortabstimmung, Änderungen im weiteren Verfahren sind möglich. Stand: 26. Juli 2026.
Quellen: Referentenentwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente, BMF, 21.07.2026; Statistisches Bundesamt (Verbraucherpreisindex 2021 bis 2025); Bundeshaushalt 2026, Einzelplan BMAS (Leistungen an die Rentenversicherung: 127,84 Mrd. Euro); Zeitungsbericht von Dominik Bath und Jan Dörner.
Das könnte dich auch interessieren
Kinder
Bitcoin-Sparplan für Kinder: Der Leitfaden für Eltern und Großeltern
Zum Artikel ›Bitcoin und Inflation: Warum die Geldmenge entscheidend ist
Zum Artikel ›🔔 Das Gesetzgebungsverfahren läuft noch. Wir ordnen Änderungen sachlich ein: Newsletter abonnieren
