BIP-110: Was der umstrittene Bitcoin-Fork im August bedeutet

Ab Block 961.632 könnte sich Bitcoin für kurze Zeit in zwei Blockchains teilen. Warum darüber so heftig gestritten wird, was mit deinen Bitcoin passiert und warum die beste Reaktion meistens ist: nichts tun.

Inhalte

⏱ Lesezeit: ca. 5 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
  • BIP-110 ist ein Soft Fork, der für rund ein Jahr begrenzen will, wie viele beliebige Daten in eine Bitcoin-Transaktion passen.
  • Ab Block 961.632, voraussichtlich am Wochenende des 8. August, beginnt das sogenannte erzwungene Signalisieren.
  • Die Zustimmung der Miner liegt bei rund 2,6 Prozent. Nötig wären 55 Prozent.
  • Deine Bitcoin sind dadurch nicht in Gefahr. Wer eine größere Überweisung plant, verschiebt sie besser um ein paar Tage.
Seit Wochen ist in der Bitcoin-Welt von einem „Fork" die Rede, von Kettenspaltung, von Bürgerkrieg. Wer nicht täglich auf X mitliest, versteht schnell nur noch Bahnhof. Hier findest du die ruhige Einordnung: was BIP-110 wirklich ist, warum darüber so heftig gestritten wird und was du als normaler Bitcoin-Besitzer tun solltest.

Worum geht es bei BIP-110?

Eine Bitcoin-Transaktion überweist normalerweise Geld von A nach B. Sie kann aber auch ein bisschen zusätzliche Information mitführen. Seit 2023 nutzen manche Leute diesen Platz, um Bilder, Texte oder Token dauerhaft in der Blockchain abzulegen. Bekannt wurde das unter dem Namen Ordinals. Für die einen ist das eine legitime Nutzung, die schließlich Gebühren zahlt. Für die anderen ist es Datenmüll, der jeden Knotenbetreiber weltweit für immer Speicherplatz kostet und den Blockplatz für echte Zahlungen verteuert. BIP-110 heißt offiziell „Reduced Data Temporary Softfork" und ist der Versuch, diesen Streit auf Protokollebene zu entscheiden. Der Vorschlag deckelt die meisten neuen Transaktionsausgänge auf 34 Byte, setzt OP_RETURN zurück auf 83 Byte und begrenzt einzelne Datenblöcke auf 256 Byte. Das Besondere: Die Regeln sollen nach rund einem Jahr von selbst wieder auslaufen. Geschrieben hat den Vorschlag ein Entwickler unter dem Pseudonym Dathon Ohm, technisch beraten von Luke Dashjr.

Warum der Streit so heftig ist

Über den Inhalt ließe sich sachlich streiten. Der eigentliche Konflikt dreht sich um den Weg zur Aktivierung. Normalerweise braucht ein Soft Fork die Zustimmung von rund 95 Prozent der Miner. So war es bei SegWit, so war es bei Taproot. BIP-110 kommt mit 55 Prozent aus. Und falls diese Schwelle nicht freiwillig erreicht wird, greift ein Notfallmechanismus: das erzwungene Signalisieren. Kritiker wie Jameson Lopp, Adam Back und Michael Saylor sehen darin einen gefährlichen Präzedenzfall. Ihr Argument: Wenn eine kleine Minderheit eine Regeländerung erzwingen kann, verliert Bitcoin genau die Berechenbarkeit, die es wertvoll macht. Befürworter wie Luke Dashjr und Samson Mow halten dagegen, dass Knotenbetreiber sich gegen dauerhaft wachsende Datenlast wehren dürfen müssen.

Was am 8. August passiert

Ab Block 961.632 verwerfen Knoten mit BIP-110-Software alle Blöcke, die nicht für den Vorschlag signalisieren. Dieser Block wird voraussichtlich zwischen dem 7. und 9. August erreicht. Genau hier entsteht das Risiko einer Kettenspaltung. Denn die große Mehrheit der Miner signalisiert nicht. Anfang August lag die Rate bei rund 2,6 Prozent. Praktisch alle diese Blöcke kommen von einem einzigen kleinen Pool. F2Pool hat öffentlich abgelehnt, AntPool schweigt, Foundry USA hat eine Abstimmung unter seinen Minern gestartet. Wenn BIP-110-Knoten ab Block 961.632 fast alle Blöcke ablehnen, folgen sie einer eigenen Kette. Und diese Kette wäre extrem langsam.

Wie langsam? Rechne selbst nach

Die Mining-Schwierigkeit ist auf die gesamte Rechenleistung des Netzwerks geeicht. Bleibt nur ein Bruchteil der Maschinen übrig, bleibt die Aufgabe trotzdem gleich schwer. Bei 2,6 Prozent Rechenleistung dauert ein Block im Schnitt rund sechs Stunden statt zehn Minuten. Und die automatische Korrektur greift nicht schnell: Bitcoin passt die Schwierigkeit alle 2.016 Blöcke an, gezählt wird also in Blöcken statt in Tagen. Bei sechs Stunden pro Block vergeht bis zur ersten Anpassung rund eineinhalb Jahre. Bei 0,5 Prozent wären es über sieben Jahre.

Was das für dich bedeutet

Die gute Nachricht zuerst: An deinen Bitcoin ändert sich nichts. Die Obergrenze von 21 Millionen bleibt, bestehende Guthaben bleiben unangetastet. Ausgaben, die vor einer Aktivierung bestätigt wurden, bleiben nach den alten Regeln nutzbar. Trotzdem ist etwas Umsicht sinnvoll. Der Bitcoin-Core-Entwickler Jon Atack hat empfohlen, in der zweiten Augustwoche auf Überweisungen zu verzichten, weil es zu kurzen Umorganisationen der Kette kommen könnte.
⚡ Drei ruhige Regeln für das Zeitfenster:

1. Eilige Überweisungen verschieben. Wenn es nicht dringend ist, warte ein paar Tage. Handelsplätze könnten Ein- und Auszahlungen pausieren oder mehr Bestätigungen verlangen.

2. Selbstverwahrung bevorzugen. Wer seine Bitcoin auf einer eigenen Wallet hält, ist von Pausen bei Börsen gar nicht betroffen.

3. Keine Experimente mit „Coin Splitting". Im Netz kursieren Anleitungen, wie man Coins auf beide Ketten aufteilt. Das ist etwas für Spezialisten. Gib deine Wörter niemals in unbekannte Software ein.

Nicht verwechseln: der eCash-Hardfork

In den Nachrichten laufen gerade zwei Ereignisse durcheinander. Neben BIP-110 plant Paul Sztorc für Ende August einen echten Hardfork bei Block 964.000, der eine separate Kette mit einer 1:1-Verteilung erzeugen soll. Die beiden Vorhaben haben nichts miteinander zu tun. Wer im August Werbung für „kostenlose Coins" sieht, sollte besonders skeptisch sein. Rund um Forks haben Betrüger Hochkonjunktur.

Fazit: Ruhe bewahren

Nach heutigem Stand ist eine dauerhafte Spaltung unwahrscheinlich. Die Zustimmung müsste sich in wenigen Tagen mehr als verzwanzigfachen. Möglich ist eine kurze Phase mit Unruhe, höheren Gebühren und vorsichtigen Handelsplätzen. Bitcoin hat 2017 einen deutlich härteren Konflikt überstanden. Was damals half, hilft auch heute: eigene Verwahrung, eigener Kopf und keine hektischen Entscheidungen.
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Genau solche Momente zeigen, warum Selbstverwahrung mehr ist als ein Schlagwort. Wer seine Schlüssel selbst hält, muss bei keiner Börse um Erlaubnis fragen. In unserem Kurs „Meine ersten Bitcoin" zeigen wir Schritt für Schritt, wie das geht.

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Der Begriff entstand durch ein Missverständnis: Im März 2021 nahm Twitter-CEO Jack Dorsey an einer Anhörung des US-Kongresses teil. Im Hintergrund stand eine Blockclock Mini, die damals 1952 anzeigte – also 1952 Satoshis pro US-Dollar. Der Cybersicherheitsforscher Chris Vickery hielt die Zahl für eine Uhrzeit und vermutete, Dorsey befinde sich in der Moskauer Zeitzone. Die Bitcoin-Community machte daraus ein Meme – und seitdem heißt der Satoshi-Preis in Dollar „Moscow Time“.
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