BIP-110: Was vom großen Bitcoin-Fork übrig geblieben ist

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⏱ Lesezeit: ca. 5 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
  • Am 8. August 2026 spaltete sich bei Block 961.632 eine eigene Bitcoin-Kette ab, die den Vorschlag BIP-110 durchsetzt.
  • Nur 2,53 Prozent der Miner hatten zugestimmt. Nötig gewesen wären 55 Prozent.
  • Die abgespaltene Kette kam in zwei Wochen kaum vom Fleck. Kein Handelsplatz hat sie aufgenommen.
  • An deinen Bitcoin hat sich nichts geändert. Wer eigenverwahrt und nichts bewegt hat, war nie betroffen.
Wochenlang war von Spaltung die Rede, von Bürgerkrieg, von der größten Zerreißprobe seit 2017. Dann kam der Tag. Es passierte: fast nichts. Zwei Wochen später lässt sich nüchtern bilanzieren, was wirklich geschehen ist. Und warum das Nichtereignis die eigentlich interessante Nachricht ist.

Was am 8. August 2026 geschah

Um 19:35 Uhr UTC erreichte das Bitcoin-Netzwerk Block 961.632. Ab diesem Moment lehnten alle Knoten, die BIP-110 durchsetzen, jeden Block ab, der nicht ausdrücklich für den Vorschlag signalisierte. Die Zahlen dazu waren eindeutig. In den 2.016 Blöcken davor hatten gerade einmal 51 signalisiert. Das sind 2,53 Prozent. Für eine reguläre Aktivierung hätten es 55 Prozent sein müssen. Damit stand fest, was folgen würde. Die BIP-110-Knoten trennten sich vom Rest des Netzwerks ab. Eine eigene Kette entstand. Sie fiel praktisch sofort hinter die Hauptkette zurück, auf der der weit überwiegende Teil der Rechenleistung weiterarbeitete.

Warum die Kette fast stehen blieb

Das ist keine Meinung, sondern Mathematik. Die Mining-Schwierigkeit ist auf die gesamte Rechenleistung des Netzwerks geeicht. Bleibt davon nur ein Bruchteil übrig, wird die Aufgabe kein bisschen leichter. Die abgespaltene Kette erbte die volle Schwierigkeit der Hauptkette. Nach Schätzungen aus dem Umfeld der Beteiligten blieben rund 99,85 Prozent der Rechenleistung dort, wo sie vorher war. Für die Minderheitskette bedeutete das: statt zehn Minuten dauerte ein Block mehrere Tage. Und die automatische Korrektur greift nicht schnell. Bitcoin passt die Schwierigkeit alle 2.016 Blöcke an, gezählt wird also in Blöcken statt in Tagen. Wie lange das dauert, hing davon ab, welche Rechenleistung man ansetzte. Die kursierenden Schätzungen reichten von mehreren Jahren bis zu über zwei Jahrzehnten.

Was in den zwei Wochen danach passierte

Die Kette kam kaum vom Fleck. Statt der üblichen rund 144 Blöcke pro Tag entstanden dort in knapp zwei Wochen nur eine Handvoll, mit langen Pausen dazwischen. Kein größerer Handelsplatz hat den abgespaltenen Coin aufgenommen. Damit gibt es für ihn keinen Preis. Interessanter als die Zahlen sind zwei Nebenwirkungen. Erstens hat sich das Replay-Problem in der Praxis gezeigt. Weil beide Ketten dieselbe Vorgeschichte teilen und kein sauberer Schutz eingebaut wurde, landeten hunderttausende Überweisungen im Wartebereich der Minderheitskette. Ein großer Teil davon ungewollt: Menschen bewegten Bitcoin auf der Hauptkette und lösten damit unbeabsichtigt dieselbe Bewegung auf der anderen Kette aus. Genau davor hatten Fachleute vorher gewarnt. Zweitens denken die Unterstützer inzwischen laut darüber nach, das Mining-Verfahren der Minderheitskette auszutauschen. Der Hintergedanke: Ein anderes Rechenverfahren würde die spezialisierten Bitcoin-Maschinen aussperren und die geerbte Schwierigkeit umgehen. Sollte das kommen, wäre das Ergebnis keine Bitcoin-Kette mehr, sondern eine eigenständige Kryptowährung mit eigener Technik.

Die eigentliche Lektion

Es wäre verlockend, das Ganze als Sturm im Wasserglas abzutun. Das wäre aber die falsche Lehre. Denn hier ist etwas Bemerkenswertes passiert: Eine Gruppe wollte eine Regeländerung durchsetzen, ohne die breite Zustimmung dafür zu haben. Das Netzwerk hat das schlicht nicht mitgemacht. Keine Behörde hat eingegriffen, kein Vorstand hat entschieden. Miner, Knotenbetreiber und Handelsplätze haben unabhängig voneinander abgewogen. Die große Mehrheit ist bei den bestehenden Regeln geblieben. Genau das ist gemeint, wenn von Dezentralität die Rede ist. Bitcoin ändert sich nur, wenn nahezu alle mitziehen. Diese Trägheit wirkt im Alltag manchmal lästig. Sie ist aber der Grund, warum niemand einfach so die Regeln verbiegen kann, weder eine Handvoll Entwickler noch ein Staat. Bemerkenswert ist dabei das Tempo. Der Streit um die Blockgröße zog sich von 2015 bis 2017 und brachte am Ende eine dauerhafte Abspaltung hervor. Dieser Konflikt war binnen eines Tages entschieden.
⚡ Drei Regeln, die bei jedem Fork gelten:

1. Sei skeptisch bei „kostenlosen Coins". Rund um Abspaltungen haben Betrüger Hochkonjunktur. Niemand muss dir etwas schenken, damit du an deine Bitcoin kommst.

2. Gib deine Wörter niemals ein. Keine Seite, keine App und kein Support fragt dich jemals nach deiner Wiederherstellungsphrase. Wer fragt, will dich bestehlen.

3. Bewege nichts, solange die Lage unklar ist. Der Fall BIP-110 hat gezeigt, wie schnell eine Überweisung ungewollt auf zwei Ketten wirkt. Abwarten kostet nichts.

Fazit

Die spannendste Erkenntnis dieses Sommers ist unspektakulär: Bitcoin hat funktioniert wie vorgesehen. Ein umstrittener Vorschlag ohne breite Zustimmung hat sich nicht durchgesetzt. Niemand musste ihn dafür verbieten. Für dich als Nutzer bleibt alles beim Alten. Und wer seine Bitcoin selbst verwahrt, war von der ganzen Aufregung ohnehin am wenigsten betroffen.
🔍 Übrigens

Genau solche Wochen zeigen, warum Selbstverwahrung mehr ist als ein Schlagwort. Wer seine Schlüssel selbst hält, muss bei keiner Börse um Erlaubnis fragen und ist von Pausen bei Ein- und Auszahlungen gar nicht erst betroffen. In unserem Kurs „Meine ersten Bitcoin" zeigen wir Schritt für Schritt, wie das geht.

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