Bitcoin-Mining: Vom Garagenprojekt zum Wettrüsten

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📚 BITCOIN-MINING-REIHE · TEIL 2 VON 3 · Teil 1 am 16. Mai · Teil 3 am 26. Mai
Das Wichtigste in Kürze
  • In den ersten Bitcoin-Jahren minten Menschen mit normalen Heim-PCs. Laszlo Hanyecz brachte 2010 als Erster Grafikkarten ins Spiel.
  • Satoshi Nakamoto persönlich bat ihn, damit aufzuhören. Es kam anders.
  • Innerhalb weniger Jahre wurde aus Hobby-Mining ein industrielles Wettrüsten. Wer heute mitspielt, braucht eine Halle, nicht mehr nur einen PC.
Im ersten Teil dieser Reihe ging es um zwei Pizzen, die heute 770 Millionen Euro wert wären. Heute geht es um das, was Laszlo Hanyecz zwölf Tage davor tat – und warum es das Bitcoin-Netzwerk für immer veränderte.

Wie Bitcoin-Mining ursprünglich gedacht war

Als Satoshi Nakamoto Bitcoin 2009 ins Leben rief, war Mining für jeden Menschen mit einem normalen Computer gedacht. Ein PC, eine Internetverbindung, die Bitcoin-Software – fertig. Wer wollte, konnte mitmachen, eigene Bitcoin verdienen und das Netzwerk absichern. Die Belohnung war damals 50 Bitcoin pro Block – heute klingt das nach einem Vermögen, war damals aber buchstäblich nichts wert. Es gab keinen Marktpreis. Bitcoin war ein Experiment, kein Investment. Satoshi hatte einen klaren Wunsch: Mining sollte demokratisch bleiben. Jeder normale Mensch sollte teilnehmen können, ohne spezielle Hardware kaufen zu müssen. Das war kein Zufall. Es war das ganze Konzept.

Was Laszlo am 10. Mai 2010 tat

Laszlo Hanyecz war Programmierer und neugierig. Er fragte sich: Wenn ein normaler Computer Bitcoin minen kann – was kann dann eine Grafikkarte? Grafikkarten sind speziell darauf ausgelegt, viele einfache Rechnungen gleichzeitig durchzuführen. Genau das, was Bitcoin-Mining braucht. Er programmierte eine Lösung. Und dann postete er sie öffentlich.
Aus dem Bitcoin-Forum, 10. Mai 2010

„I have a working prototype of Bitcoin generation with OpenCL." – So begann Laszlos Post mit dem Titel „Generating Bitcoins with your video card".

Die Zahlen sprachen für sich: Sein normaler Prozessor schaffte 1,8 Millionen Berechnungen pro Sekunde. Seine Grafikkarte: bis zu 3,8 Millionen. Mehr als doppelt so viel. Plötzlich war klar: Wer eine gute Grafikkarte hatte, konnte massiv mehr Bitcoin minen als jemand mit einem normalen PC.
Zwölf Tage später bestellte er die Pizzen. Aber sein Post sollte sich als die viel folgenreichere Tat erweisen.

Wie Satoshi reagierte

Satoshi Nakamoto hatte das Thema GPU-Mining schon im Dezember 2009 öffentlich diskutiert, als ein anderer Nutzer es vorgeschlagen hatte. Damals schrieb Satoshi einen Satz, der heute wie eine Prophezeiung klingt:
„Wir sollten uns auf ein Gentleman's Agreement einigen, das GPU-Wettrüsten so lange hinauszuzögern wie möglich – zum Wohl des Netzwerks. Es ist viel leichter, neue Nutzer ins Boot zu holen, wenn sie sich nicht um GPU-Treiber und Kompatibilität kümmern müssen."

– Satoshi Nakamoto, Dezember 2009
Als Laszlo sechs Monate später seinen GPU-Miner trotzdem veröffentlichte, schrieb Satoshi ihm eine private E-Mail. Laszlo erinnerte sich später daran: Satoshi bat ihn, das GPU-Mining nicht aggressiv zu bewerben. Es sei wichtig, dass Bitcoin demokratisch bleibe. Laszlo hörte auf, dafür zu werben. Aber der Geist war aus der Flasche.

Der Pionier, den fast niemand kennt

Während Laszlos GPU-Miner als Mac-Software an wenige Leute ging, baute jemand anderes parallel etwas viel Größeres. Niemand wusste, wer er war. Er nannte sich nur „ArtForz" – mutmaßlich ein deutscher Elektroingenieur. Im Juli 2010 begann er, was später als „ArtFarm" in die Geschichte einging: ein Verbund von 24 leistungsstarken Grafikkarten, der Bitcoin in einer Größenordnung minte, die alle anderen in den Schatten stellte.
🔍 Die Zahlen, die alles veränderten

Sechs Tage nach Inbetriebnahme hatte ArtForz bereits 1.700 Bitcoin gemined. Bis Oktober 2010 kontrollierte seine Farm geschätzt 20 bis 30 Prozent der gesamten Bitcoin-Rechenleistung. Laszlo Hanyecz selbst gab im August 2010 öffentlich auf: „Ich kann nicht mehr tausende Bitcoin pro Tag minen."

Das war der Moment, in dem klar wurde: Wer mit einem einfachen Heim-PC minen wollte, hatte verloren. Das Wettrüsten, vor dem Satoshi gewarnt hatte, hatte begonnen.

Vom Hobby zur Industrie: drei Generationen Mining-Hardware

Was danach kam, war eine technische Revolution. Innerhalb weniger Jahre durchlief Mining drei klare Phasen.
Drei Generationen Bitcoin-Mining

2009 bis 2010: CPU-Mining. Jeder normale Computer konnte teilnehmen. Eine Welt, in der Hobby-Programmierer auf ihren Heim-PCs Bitcoin generierten.

2010 bis 2013: GPU-Mining. Grafikkarten übernahmen. Wer eine gute Karte hatte, war hundertfach effizienter. Hobby-Räume wurden zu kleinen Mining-Farmen.

Ab 2013: ASIC-Mining. Spezielle Chips wurden entwickelt, die nur eines können: Bitcoin minen. Sie sind tausendfach effizienter als selbst die beste Grafikkarte. Damit endete das Mining als Hobby endgültig. Heute betreiben professionelle Unternehmen ganze Hallen voller ASICs, oft mit eigenem Stromanschluss in Megawatt-Größenordnung.

Was wir daraus lernen

Bitcoin-Mining ist heute ein industrielles Geschäft. Das ist nichts, was Satoshi gewollt hatte, aber etwas, das logisch folgte: Sobald ein Vermögenswert wertvoll wird, lohnt sich die Investition in bessere Werkzeuge. Trotzdem funktioniert das Netzwerk nach denselben Regeln wie 2009. Wer mehr Rechenleistung beisteuert, hat eine höhere Chance, den nächsten Block zu finden. Wer weniger beiträgt, eine geringere. Die Mathematik dahinter hat sich nicht geändert. Nur die Skala. Und Laszlo? Er ist die einzige Person der Welt, die sowohl Bitcoin-Geld in eine Pizza verwandelt als auch das Mining für immer verändert hat. Eine seltsame Bilanz für jemanden, der eigentlich nur ausprobieren wollte, was geht.
⏭ Teil 3 erscheint am Dienstag, 26. Mai

Heute steht das industrielle Mining vor einer neuen Herausforderung: KI-Rechenzentren wollen den gleichen Strom, die gleichen Hallen, die gleiche Infrastruktur. Verdrängt KI das Bitcoin-Mining? Oder gibt es eine andere Geschichte hinter den Schlagzeilen? Das ist Teil 3 unserer Mining-Reihe.
🔗 Wie Bitcoin grundlegend funktioniert und warum das Mining überhaupt nötig ist, erklären wir hier: Bitcoin einfach erklärt →

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Der Begriff entstand durch ein Missverständnis: Im März 2021 nahm Twitter-CEO Jack Dorsey an einem Video-Call mit dem US-Kongress teil. Im Hintergrund stand eine Blockclock Mini, die damals 1952 anzeigte – also 1952 Satoshis pro US-Dollar. Der Cybersicherheitsforscher Chris Vickery hielt die Zahl fälschlicherweise für eine Uhrzeit und vermutete, Dorsey befinde sich in der Moskauer Zeitzone. Die Bitcoin-Community machte daraus ein Meme – und seitdem heißt der Satoshi-Preis in Dollar „Moscow Time".
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