So elegant eine Technik auch sein mag, sie nützt wenig, solange man sie nicht in die Hand nehmen kann. Seit Kurzem gibt es dafür fertige Geräte. Der bekannteste Vertreter heißt Frostsnap und ist die erste Umsetzung von FROST, die bewusst für ganz normale Menschen und ihre Familien gedacht ist, nicht nur für Fachleute.
Ein Frostsnap-Aufbau besteht aus mehreren kleinen Geräten, die man in unterschiedlichen Farben bestellen kann, unter anderem blau, orange, silber, schwarz und rot. Das klingt nach einer Spielerei, ist aber didaktisch klug: Das blaue Gerät gehört Papa, das schwarze Mama, das rote liegt bei den Großeltern. Auf einen Blick ist klar, wer welches hat, ganz ohne technisches Verständnis. Zum Einrichten und Unterschreiben werden die Geräte per Kabel hintereinander gehängt und mit einer App auf dem Computer oder Telefon verbunden. Diese App ist dabei Vermittlerin und Kontrolleurin zugleich: Sie steuert den Ablauf, prüft, ob sich alle Geräte korrekt verhalten, steuert eigene Zufälligkeit zur Schlüsselerzeugung bei und fügt die Teilunterschriften am Ende zusammen. An die geheimen Anteile selbst kommt sie nie heran.
Ein Detail, das oft übersehen wird und das gleich in Abschnitt 6 noch wichtig wird: Die Anteile liegen auf den Geräten verschlüsselt. Der passende Entschlüsselungsschlüssel steckt im Sicherheitschip deines Telefons, und ein Telefon erhält ihn erst, nachdem es die für den Schwellenwert nötige Anzahl Geräte besucht hat. Wer also ein einzelnes Gerät findet oder stiehlt, hält nicht nur einen für sich wertlosen Anteil in der Hand, sondern einen verschlüsselten dazu.
Für Jans Familie sind vor allem drei Eigenschaften entscheidend. Erstens hat jedes Gerät seine eigene Sicherungskopie, seine eigenen Backup-Wörter, mit denen es sich im Notfall wiederherstellen lässt. Die berüchtigte Descriptor-Datei aus dem klassischen Multisig, deren Verlust so oft zum Totalschaden führt, entfällt vollständig. Zweitens ist der Aufbau nicht in Stein gemeißelt: Der Hersteller nennt das Hinzufügen und Entfernen von Geräten als ausdrückliches Ziel, ohne dass die Coins dafür umziehen müssten. Drittens verzichtet Frostsnap bewusst auf einen PIN am einzelnen Gerät. Das mag im ersten Moment unsicher klingen, ist aber die logische Folge des Grundgedankens: Ein einzelnes Gerät ist ohne die anderen wertlos, die Sicherheit liegt in der Verteilung. Ein PIN wäre nur zusätzliches Wissen, das man vergessen kann und das im Erbfall wieder fehlen würde. Genau dieses Wissen wollten wir ja loswerden.
Ein Wort zum Preis, auch weil er eine hübsche Nebenlektion enthält. Frostsnap wird nicht in Euro ausgezeichnet, sondern in Satoshi, der kleinsten Einheit von Bitcoin. Ein Gerät kostet 200.000 Satoshi. Ein Aufbau aus drei Geräten liegt also bei 600.000 Satoshi. Was das in Euro bedeutet, hängt vom tagesaktuellen Kurs ab und schwankt entsprechend. Am 22. Juli 2026 entspricht das rund 115 Euro pro Gerät, also etwa 345 Euro für ein Dreier-Set. Dazu kommt ein Punkt, den man in Deutschland, Österreich und der Schweiz einplanen sollte: Die Geräte werden aus Malaysia versendet. Es fallen also Versandkosten sowie Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll an, die den tatsächlichen Endbetrag spürbar erhöhen. Rechne realistisch mit einem Aufschlag im zweistelligen Prozentbereich. Dass man den Preis überhaupt in Satoshi denkt, ist selbst schon eine kleine Übung darin, in Bitcoin statt in Euro zu rechnen.