Seed selbst würfeln: So erzeugst du deine Bitcoin-Wallet mit echtem Zufall

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⏱ Lesezeit: ca. 6 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn du deine Seedphrase selbst würfelst, hängt ihre Sicherheit nicht mehr am Zufallsgenerator deines Geräts.
  • Du brauchst dafür nur Würfel, zwei Ausdrucke und etwas Geduld. Für eine 12-Wort-Seedphrase sind es 128 Würfe.
  • Die Methode ist herstellerunabhängig. Du erzeugst die Wörter komplett auf Papier und gibst sie anschließend in dein Gerät ein.
Jede Bitcoin-Wallet beginnt mit einer Zufallszahl. Normalerweise erzeugt dein Gerät sie für dich. Du musst also darauf vertrauen, dass es das richtig macht. Der Coldcard-Vorfall vom Juli 2026 hat gezeigt, was passiert, wenn dieses Vertrauen jahrelang unbemerkt enttäuscht wird. Es gibt eine Alternative. Sie liegt buchstäblich in deiner Hand.

Warum überhaupt selbst würfeln?

Deine Seedphrase ist nichts anderes als eine sehr große Zufallszahl, übersetzt in Wörter. Bei zwölf Wörtern stecken darin 128 Bit Zufall. Das sind mehr mögliche Kombinationen, als es Atome auf der Erde gibt. Genau diese Größe macht dein Guthaben sicher. Vorausgesetzt, der Zufall ist echt. Ist er es nicht, schrumpft der Raum möglicher Seedphrasen unter Umständen auf eine Zahl zusammen, die ein Angreifer durchprobieren kann. Von außen ist das nicht zu erkennen, denn eine schlecht erzeugte Seedphrase sieht genauso aus wie eine gute. Würfel lösen dieses Problem auf eine angenehm altmodische Weise. Sie haben keine Firmware, keinen Hersteller, keine Lieferkette und kein Update, das etwas kaputt machen könnte. Du siehst mit eigenen Augen, wie deine Entropie entsteht. Das ist der Unterschied zwischen vertrauen und nachprüfen.
🔍 Für wen lohnt sich das?

Ehrlich gesagt nicht für jeden. Wer ein paar hundert Euro in Bitcoin hält, fährt mit einer sauber eingerichteten Hardware-Wallet gut und sollte seine Energie lieber in ein gutes Backup stecken.

Interessant wird die Methode, wenn du größere Beträge langfristig verwahrst, wenn du maximale Unabhängigkeit von einem einzelnen Hersteller möchtest, oder wenn du schlicht verstehen willst, woraus deine Wallet eigentlich besteht. Für den letzten Punkt ist sie unschlagbar.

Was du brauchst

Die Ausrüstung

Sechsseitige Würfel. Je mehr du hast, desto schneller geht es. Casino-Würfel sind präziser gefertigt und laufen dadurch weniger Gefahr, bestimmte Zahlen zu bevorzugen. Ein einzelner gewöhnlicher Würfel tut es aber auch, du wirfst dann eben öfter.

Die BIP39-Wortliste als Ausdruck. Sie ordnet jedem der 2.048 Wörter seine Bitfolge zu.

Die Vorlage „Bits zu Wörtern" als Ausdruck. Ein Raster, in das du deine Würfe einträgst. Es gibt eine Variante für 12 und eine für 24 Wörter.

Ein Stift, ein ruhiger Raum und etwa eine Stunde Zeit.

📄 BIP39-Wortliste mit Bitfolgen (PDF)
📄 Vorlage „Bits zu Wörtern" (PDF)

⚡ Drucke die Wortliste aus. Suche niemals am Bildschirm darin.

Das ist der wichtigste Satz dieses Leitfadens. Wenn du deine gewürfelten Bits am Computer in einer PDF-Datei suchst, landen sie in Suchverläufen, im Arbeitsspeicher, womöglich in einer Auslagerungsdatei oder in einer Cloud-Synchronisation. Auch teilweise.

Der ganze Sinn der Übung besteht darin, dass deine Seedphrase niemals ein Gerät berührt, bevor sie fertig ist.

Die Vorbereitung

Such dir einen Raum ohne Kameras und ohne Smartphones in Reichweite. Das klingt paranoid und ist es für kleine Beträge auch. Bei größeren Summen ist es einfach sauberes Arbeiten. Zieh die Vorhänge zu, leg das Handy in einen anderen Raum. Trag oben auf der Vorlage eine Bezeichnung ein, damit du später weißt, um welche Wallet es geht. Wähle etwas, das für Außenstehende nichts verrät. Auf der Vorlage siehst du nummerierte große Felder. Jedes steht für ein Wort deiner Seedphrase. Darüber liegen jeweils elf kleine Kästchen, das sind die Bits. In jedes kommt am Ende eine Null oder eine Eins. Diese Bits füllst du zuerst, danach leitest du daraus die Wörter ab.

Schritt für Schritt

1. Würfeln
Wirf alle Würfel auf einmal und schieb sie zu einer Linie zusammen. Sortiere sie dabei nicht und schau sie vorher nicht an. Mach es bei jedem Durchgang exakt gleich, sonst verwässerst du deinen Zufall.

2. In Bits übersetzen
Geh die Linie von links nach rechts durch. Zeigt ein Würfel eine 1, 2 oder 3, trägst du eine 0 in das nächste freie Kästchen ein. Bei 4, 5 oder 6 eine 1.

3. Wiederholen
So lange, bis alle Kästchen gefüllt sind, mit einer Ausnahme: Die Kästchen hinter dem letzten dicken Strich beim letzten Wort bleiben leer. Bei der 12-Wort-Vorlage sind das die letzten vier, bei der 24-Wort-Vorlage die letzten acht.

4. Wörter nachschlagen
Jetzt suchst du für jedes Wort die passende Elf-Bit-Folge in der ausgedruckten Wortliste. Der Aufbau hilft dir dabei: Die ersten drei Bits sagen dir die Seite, die nächsten drei die Spalte, die letzten fünf die Zeile. Trag das gefundene Wort in das breite Feld darunter ein.
Warum ausgerechnet 1 bis 3 gleich null und 4 bis 6 gleich eins? Weil beide Gruppen exakt gleich wahrscheinlich sind. So bekommst du pro Wurf genau ein sauberes Bit, ohne Verzerrung. Du verschenkst dabei etwas Effizienz, denn ein Würfel könnte theoretisch mehr Information liefern. Dafür ist die Methode narrensicher. Darauf kommt es hier an.

Wie viele Würfe es genau sind

Länge Bits gesamt davon Prüfsumme Würfe
12 Wörter 132 4 128
24 Wörter 264 8 256
Zwölf Wörter reichen völlig aus. 128 Bit Zufall sind nach allem, was wir heute wissen, mit keiner denkbaren Rechenleistung zu durchsuchen. Wer trotzdem 24 Wörter will, würfelt doppelt so lange.

Das letzte Wort: die Prüfsumme

Beim letzten Wort fehlen dir noch ein paar Bits. Die kannst du nicht würfeln. Sie sind eine Prüfsumme, also rechnerisch vollständig durch alle vorherigen Bits festgelegt. Die Berechnung von Hand ist nicht praktikabel. Deine bereits gewürfelten Bits schränken die Auswahl aber stark ein: Bei zwölf Wörtern bleiben 16 mögliche Wörter übrig, bei 24 Wörtern 256. Notiere dir diese Liste aus der Wortliste heraus. Den Rest erledigt deine Hardware-Wallet. Bei den meisten Geräten gibst du eine bestehende Seedphrase ein und tippst die ersten elf beziehungsweise 23 Wörter ganz normal ein. Das Gerät schlägt dir daraufhin die gültigen letzten Wörter vor. Wähle eines aus, das auch auf deiner Liste steht. Der genaue Ablauf unterscheidet sich je nach Gerät.

Die häufigsten Fehler

⚡ Was du auf keinen Fall tun solltest

Die Würfel sortieren oder auswählen. Jeder Eingriff nimmt Zufall heraus. Immer dieselbe mechanische Abfolge.

Am Bildschirm in der Wortliste suchen. Auch nicht „nur kurz" und auch nicht nach Teilen.

Die ausgefüllte Vorlage liegen lassen. Sie enthält deine komplette Seedphrase in Binärform. Behandle sie wie die Seedphrase selbst: entweder genauso sicher verwahren oder vollständig vernichten, sobald du die Wörter auf ein dauerhaftes Backup übertragen hast.

Ein Muster würfeln. Wenn dir eine Folge „zu unzufällig" vorkommt und du deshalb neu würfelst, zerstörst du genau die Eigenschaft, die du herstellen willst. Echter Zufall enthält Muster.

Danach

Übertrag die Wörter auf ein dauerhaftes Backup, am besten auf Metall. Prüfe anschließend auf dem Gerätedisplay den Wallet-Fingerprint und eine Empfangsadresse. Schick einen kleinen Testbetrag und warte die Bestätigung ab. Erst dann den Rest. Und dann teste die Wiederherstellung, bevor du dich darauf verlässt. Eine Sicherung, die nie ausprobiert wurde, ist eine Vermutung.

Fazit

Selbst zu würfeln ist keine Zauberei und kein Expertenwissen. Es ist eine Stunde konzentrierter Handarbeit, an deren Ende du eine Seedphrase hast, deren Sicherheit du nachvollziehen kannst, statt sie glauben zu müssen. In einer Welt, in der ein einzelner falsch geprüfter Wert in einer Firmware jahrelang unbemerkt bleiben kann, ist das ein beruhigender Gedanke. Der Zufall lag die ganze Zeit auf dem Tisch.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Bildung und Information. Die beschriebene Methode ersetzt keine sorgfältige Einrichtung deiner Wallet und kein geprüftes Backup. Wenn du unsicher bist, übe den gesamten Ablauf zuerst ohne echtes Guthaben.

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Der Begriff entstand durch ein Missverständnis: Im März 2021 nahm Twitter-CEO Jack Dorsey an einer Anhörung des US-Kongresses teil. Im Hintergrund stand eine Blockclock Mini, die damals 1952 anzeigte – also 1952 Satoshis pro US-Dollar. Der Cybersicherheitsforscher Chris Vickery hielt die Zahl für eine Uhrzeit und vermutete, Dorsey befinde sich in der Moskauer Zeitzone. Die Bitcoin-Community machte daraus ein Meme – und seitdem heißt der Satoshi-Preis in Dollar „Moscow Time“.
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