Ein einzelnes Gerät, ein einziger geheimer Schlüssel, ein einziger Ort, an dem alles hängt: Fachleute nennen das einen Single Point of Failure, einen einzelnen Punkt, dessen Ausfall das gesamte System zum Einsturz bringt. Bei der klassischen Eigenverwahrung ist dieser Punkt dein Hardware-Wallet zusammen mit dem Wissen, es zu bedienen.
Dieses Wissen, also PIN und Sicherheitsphrase, ist Fluch und Segen in einem. Solange nur du es kennst, kann niemand sonst an deine Coins. Das ist der Segen. Der Fluch zeigt sich in drei Situationen. Erstens kann man Wissen vergessen, gerade eine Phrase, die man selten braucht. Zweitens kann man zu Wissen gezwungen werden. Die dokumentierte Zahl körperlicher Angriffe auf Bitcoin-Besitzer wächst, es gibt dazu eine öffentlich geführte Chronik, und ein Angreifer, der dich zur Herausgabe zwingt, braucht nur diesen einen Menschen: dich. Drittens lässt sich Wissen nicht vererben. Verschweigst du es, sind die Coins im Ernstfall für immer verloren. Schreibst du es auf, hast du ein neues Problem geschaffen: Der Zettel ist jetzt selbst ein Angriffsziel. Wer ihn findet, hat alles.
Genau hier steckt der Zielkonflikt. Um deine Coins gegen Verlust zu sichern, müsstest du das Wissen teilen. Um sie gegen Diebstahl zu sichern, müsstest du es geheim halten. Ein einzelnes Gerät kann diesen Widerspruch nicht auflösen. Die Antwort liegt nicht darin, ein besseres Passwort zu wählen, sondern darin, die Sicherheit gar nicht erst an einem einzigen Punkt aufzuhängen. Die Idee dahinter heißt Multisignatur, kurz Multisig.