Warum Bitcoin problemlos viel Strom braucht

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⏱ Lesezeit: ca. 3–4 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
  • Strom lässt sich kaum speichern. Bei Überschuss aus Wind oder Sonne sinken die Preise oft unter null.
  • Bitcoin-Miner sind abschaltbar, ortsungebunden und extrem preissensibel. Genau deshalb passen sie zu Strom, den sonst niemand will.
  • In manchen Regionen machen Miner sogar neue Kraftwerke erst wirtschaftlich, weil noch keine anderen Abnehmer da sind.
Bitcoin-Mining verbraucht viel Strom. Das stimmt und wird auch niemand bestreiten. Weniger bekannt ist, wann dieser Strom fließt. Oft genau dann, wenn er sonst niemandem fehlt, etwa bei Überschuss aus Wind oder Sonne oder in Regionen, in denen ein neues Kraftwerk noch keine anderen Abnehmer hat. In solchen Fällen wird Mining zu etwas, das man selten erwartet: ein flexibler Puffer für Strom, der sonst verloren ginge.

Warum Strom manchmal „übrig“ ist

Strom lässt sich in großem Stil kaum speichern. Erzeugung und Verbrauch müssen deshalb in jedem Moment im Gleichgewicht sein. Bei viel Sonne oder Wind und gleichzeitig geringer Nachfrage entsteht ein Überschuss. Dann werden Anlagen abgeregelt, oder der Strom wird zu negativen Preisen verkauft. Erzeuger zahlen in diesen Momenten also dafür, dass ihnen jemand den Strom abnimmt. 2023 lag der Börsenstrompreis in Deutschland an mehr als 300 Stunden im negativen Bereich, 2024 waren es laut Bundesnetzagentur bereits über 450 Stunden. Der Trend zeigt seither weiter nach oben. Dieser überschüssige, saubere Strom wird häufig schlicht verschwendet, obwohl er längst produziert ist.

Bitcoin-Mining als Abnehmer letzter Instanz

Genau in diesen Momenten können Bitcoin-Miner einspringen. Sie nehmen Strom ab, für den sonst niemand zahlt. Da Mining nur bei niedrigen Preisen rentabel ist, drängt es sich fast von selbst in die Stunden mit Überschuss.
🔍 Beispiel aus Baden-Württemberg

Die Telekom-Tochter Telekom MMS testet zusammen mit dem Bankhaus Metzler ein Pilotprojekt auf dem Gelände der Riva Engineering GmbH in Backnang. Dort steht eine eigene Solaranlage. Wird zu viel Solarstrom produziert oder droht eine Abregelung, springt der Mining-Container an und nutzt genau diesen Überschuss. Die Partner nennen das Konzept „digitale monetäre Photosynthese".
So hilft Mining, Stromspitzen abzufangen und erneuerbare Energie besser zu nutzen, ohne anderen Nutzern etwas wegzunehmen.

Bitcoin-Mining als Abnehmer erster Instanz

Mining kann auch dort sinnvoll sein, wo neue Anlagen entstehen, aber noch keine ausreichenden Abnehmer vorhanden sind. Das kenianische Unternehmen Gridless nutzt genau dieses Prinzip in mehreren Ländern Afrikas, unter anderem in Kenia, Malawi und Sambia. Was Bitcoin für Menschen in solchen Regionen bedeutet, haben wir uns im Beitrag Bitcoin in Kenia: Wenn Hoffnung wieder einen Wert bekommt genauer angesehen. Ein gut dokumentiertes Beispiel ist das Wasserkraftwerk Zengamina im Nordwesten Sambias. Es erzeugte über Jahre mehr Strom, als die umliegenden Dörfer abnehmen konnten, und konnte sich dadurch kaum finanzieren. Seit Gridless dort einen Container mit Mining-Hardware aufgestellt hat, kauft das Unternehmen den überschüssigen Strom ab und macht daraus etwa 30 Prozent der Einnahmen des Kraftwerks aus. Das hält die Strompreise für rund 15.000 Menschen in der Region niedrig und finanziert den weiteren Netzausbau, unter anderem für ein Krankenhaus und mehrere Schulen. Wächst die lokale Nachfrage, verlagert Gridless die Mining-Container irgendwann weiter, dorthin, wo wieder überschüssige Energie ungenutzt bliebe.

Warum Mining selten in Konkurrenz tritt

Bitcoin-Mining unterscheidet sich in drei Punkten von den meisten anderen Stromverbrauchern:
⚡ Drei Eigenschaften, die Mining besonders machen:

1. Abschaltbar. Miner können innerhalb von Sekunden reagieren und pausieren, sobald das Netz belastet ist.

2. Mobil. Die Anlagen lassen sich dorthin bringen, wo gerade Strom im Überfluss vorhanden ist, notfalls in einem Container.

3. Preissensibel. Steigt der Strompreis, wird Mining schnell unrentabel. Die Miner schalten dann von selbst ab.
Genau deshalb tritt Mining meist nicht in Konkurrenz zu Haushalten oder Unternehmen. Stattdessen nutzt es Strom, der sonst ungenutzt bliebe.

Wann es doch zu Problemen kommen kann

In seltenen Fällen kann Mining anderen Verbrauchern tatsächlich Strom wegnehmen. Das passiert vor allem dann, wenn Preissignale verzerrt sind, etwa durch staatlich gedeckelte Strompreise. Ein bekanntes Beispiel ist Kasachstan: Dort zog künstlich billiger Strom Ende 2021 so viele Miner an, dass Teile des Netzes überlastet wurden und die Regierung eingreifen musste. Solche Situationen bleiben die Ausnahme. In funktionierenden Märkten steigen die Preise bei echter Knappheit, wodurch sich Mining von selbst wieder unattraktiv macht. Auch deshalb ist der beliebte Vergleich „Bitcoin verbraucht so viel Strom wie Land XY" wenig hilfreich. Er ignoriert, wann, wo und unter welchen Bedingungen dieser Strom tatsächlich fließt. Oft ist es genau der Strom, für den es sonst keinen Abnehmer gibt. Bitcoin verbraucht Energie. Aber ob das ein Problem ist, hängt fast immer davon ab, welche Energie. Wer das einmal verstanden hat, sieht die pauschale Kritik mit anderen Augen.

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Der Begriff entstand durch ein Missverständnis: Im März 2021 nahm Twitter-CEO Jack Dorsey an einer Anhörung des US-Kongresses teil. Im Hintergrund stand eine Blockclock Mini, die damals 1952 anzeigte – also 1952 Satoshis pro US-Dollar. Der Cybersicherheitsforscher Chris Vickery hielt die Zahl für eine Uhrzeit und vermutete, Dorsey befinde sich in der Moskauer Zeitzone. Die Bitcoin-Community machte daraus ein Meme – und seitdem heißt der Satoshi-Preis in Dollar „Moscow Time“.
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